Psychische Gesundheit

Psychische Gesundheit im Thüringer Gesundheitszieleprozess

Die psychische Gesundheit der Bevölkerung rückt zurzeit immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit von Politik und Gesundheitswesen. Die aktuellen Zahlen aus verschiedenen Repräsentativerhebungen zur Gesundheit der deutschen Bevölkerung zeigen, dass die Anzahl an psychischen und psychosomatischen Erkrankungen stetig ansteigt und zwar in allen Altersgruppen (z.B. KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts Berlin, HBSC-Gesundheitsstudie). Demnach ist die Förderung der psychischen Gesundheit ein zunehmend wichtiges gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Anliegen.

Was ist psychische Gesundheit?

Nach Definition der WHO (2007) ist psychische Gesundheit nicht nur als die Abwesenheit psychischer Erkrankungen zu verstehen. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Zustand des Wohlbefindens, in welchem jedes Individiuum sein eigenes Potenzial und seine Ressourcen erkennt und nutzt, in der Lage ist, mit täglichen Stressoren umzugehen, produktiv und ertragreich zu arbeiten und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Beeinflusst wird die psychische Gesundheit einer Person von einer Vielzahl sozialer, psychologischer und biologischer Faktoren. Diese können sich auf Ressourcen in der Person (z. B. Problemlöse- und Stressbewältigungskompetenz, hohe Selbstwirksamkeitserwartung, optimistische Lebenseinstellung etc.) oder in deren sozialen Umfeld (z. B. positive Beziehungen zu vertrauten Personen) beziehen. Zum anderen gibt es auch Faktoren, die das Risiko einer Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit erhöhen können (z. B. traumatische Erlebnisse, genetische Disposition, niedriger sozioökonomischer Status etc.). Für die Förderung psychischer Gesundheit ist demnach die Stärkung von protektiven Faktoren, also von Ressourcen sowie die Verminderung von Risikofaktoren als optimale Strategie anzusehen.

Psychische Gesundheit im Thüringer Gesundheitszieleprozess

Im Rahmen des Thüringer GZP wurde das Thema erstmals 2009 auf dem Fachtag „Gesundheitspsychologie“ aufgegriffen. Im Ergebnis der Veranstaltung zeigte sich, dass vonseiten der Beteiligten ein großer Bedarf gesehen wird, psychische Gesundheit im Sinne der Stärkung von Ressourcen und Kompetenzen als Querschnittsthema in alle Gesundheitszielbereiche einzugliedern bzw. verstärkt zu bearbeiten und diesbezüglich einen Austausch zwischen den AGs zu befördern.

Bei jedem der Zielbereiche gibt es starke Zusammenhänge mit dem Thema, da die psychische Gesundheit eines Menschen eng verbunden ist mit der Wahrscheinlichkeit des Auftretens physiologischer Erkrankungen wie Adipositas oder Brustkrebs sowie natürlich mit dem Auftreten verschiedenster psychologischer Störungsbilder wie Depression, Burnout, Suchtmittelmissbrauch oder psychosomatische Erkrankungen. Daraus ergeben sich Konsequenzen für unterschiedliche Lebensbereiche eines Menschen (z.B. Ausbildung, Beruf, Familie).

Ziel des Projektes ist, alle Akteure des GZP sowie auch die Fachöffentlichkeit für die Bedeutung von psychischer Gesundheit in allen Lebensbereichen und allen Altersgruppen zu sensibilisieren. Außerdem soll die Förderung von psychosozialen Ressourcen ein implizites Ziel aller Arbeitsgruppen werden und entsprechende Maßnahmen entwickelt bzw. weiterentwickelt werden. Gemeinsam mit den Arbeitsgruppen sollen Anknüpfungspunkte an die bisherige Arbeit und Strategien für eine sinnvolle Integration des Themas erarbeitet werden.